Spritpreise außer Kontrolle? Ölkrise, Abhängigkeit und politische Fehler | Dr. Christoph Canne
Shownotes
Die Spritpreise steigen und mit ihnen die politische Debatte. Doch was steckt wirklich hinter den aktuellen Preisexplosionen? Ist es allein der Konflikt rund um die Straße von Hormus oder spielen strukturelle Probleme in Europa eine größere Rolle?
In dieser Folge analysieren wir die globalen Zusammenhänge hinter den Energiepreisen: Warum eine Meerenge im Persischen Golf massive Auswirkungen auf deutsche Tankstellen hat, wie sich Rohölpreise von Dieselpreisen unterscheiden und weshalb gerade bei Diesel und Kerosin Engpässe drohen. Außerdem geht es um die Rolle von Raffineriekapazitäten, die Entwicklung hin zu steigender Importabhängigkeit und die Folgen energiepolitischer Entscheidungen der letzten Jahrzehnte.
Zu Gast ist Dr. Christoph Canne, der die Mechanismen der Energiemärkte verständlich einordnet und erklärt, warum politische Maßnahmen wie CO2-Preis und Treibhausgasquoten ebenso Einfluss auf die Preise haben wie geopolitische Krisen. Auch die aktuelle Debatte um sogenannte „Übergewinne“ der Mineralölkonzerne wird kritisch beleuchtet.
Die Folge zeigt, wie eng Versorgungssicherheit, Industriepolitik und Klimaziele miteinander verknüpft sind – und warum das Thema Resilienz in der Energiepolitik künftig eine zentrale Rolle spielen muss.
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Transkript anzeigen
00:00:03: Politik auf den Punkt gebracht.
00:00:06: Ein Podcast der Unionstiftung.
00:00:13: Heute reden wir über die Spritpreise, bei mir zu Gast ist Dr.
00:00:17: Christoph Kané.
00:00:18: Herzlich willkommen!
00:00:19: Vielen Dank für die Einladung Herr Scholl, freue mich immer zu Ihnen zu kommen.
00:00:23: Ja, Herr Dr.
00:00:24: Kanähe durch den Krieg in der Straße von Homoos durch den Iran-Krieg sind die Spritpreise hier in Deutschland massiv gestiegen.
00:00:31: und lassen Sie uns mal in die Zukunft schauen.
00:00:33: also welches Szenarien gibt es denn wohin sich das Ganze entwickeln kann?
00:00:36: Also gehen wir Richtung.
00:00:37: ich weiß nicht es gab ja mal die Parole fünf Mark soll der Literbenzigen kosten.
00:00:41: also geben wir Richtung fünf Euro oder geben wir nochmal eine ganz andere Richtung
00:00:48: Die Parole der Spritmus-Fünfmarkkosten, die hatte natürlich eine Wunschvorstellung.
00:00:53: Das war ja das Ziel, dass man immer hat... Also dem Ziel ist man jetzt hier inzwischen nähergekommen, aber Spaß beiseite!
00:01:00: Ja wie sieht die Situation im Moment aus?
00:01:02: Im Moment da müssen wir auch sagen welchen Tag wir heute haben, das ist der einundzwanzigste Viertel Und von daher können wir nur im Moment eine Prognose abgeben, so wie es sich heute darstellt.
00:01:14: In der letzten Woche gab es ja vor allen Dingen an den Kapitalmärkten sehr viel Euphorie in dieser Thematik.
00:01:21: Es gab die Hoffnung dass jetzt die Straße von Hormuz geöffnet wird.
00:01:25: Der S&P von FUNDERD hat neue Allzeithochs gemacht und in dieser Woche hat man dann schon wieder den Eindruck Die Euphorie war etwas verfrüht.
00:01:35: Also die Straße von Hormuz ist noch lange nicht offen.
00:01:39: und wo man dort, wir können im Moment nicht abschätzen was sich in den nächsten Tagen in der großen Politik tut.
00:01:47: Wir können nur sagen Was wäre das Szenario womit sich dann die Situation wieder entspannt?
00:01:54: Das Szenarium wäre die Straße Von Hormus wird wieder freigegeben Muss man genau hinschauen?
00:02:02: Also dann werden nicht nur Tanker rausfahren, sondern die Frage ist Werden auch Tankerein fahren.
00:02:08: Weil wenn Tankereinfahren, dann bedeutet das man hat Man ist dort gute Hoffnung dass man fünf Tage später auch wieder rauskommt.
00:02:15: Wenn wir also eine Normalisierung des Verkehrs sehen Dann können wir sagen plus die Schifffahrtsrouten meinetwegen noch drei bis vier Wochen wird sich dann die Situation wieder normalisieren.
00:02:29: Per heute ist das im Moment nicht abzusehen.
00:02:32: Also müssen wir uns da weiterhin auf hohe Spritpreise einstellen.
00:02:36: und die haben natürlich auch verschiedene Ursachen, weil sie haben auch etwas zu tun mit der Politik, die in Europa in den letzten zwanzig Jahren betrieben worden ist, die dafür auch maßgeblich ist.
00:02:49: Gehen wir mal noch auf die Straße von Hormuz ein.
00:02:51: Das ist ja relativ weit weg von Deutschland, Europa und soweit ich weiß kommt unser Erdöl zum großen Teil aus der Nordsee, aus Norwegen England.
00:03:01: Warum ist denn das so wichtig diese Straße für die Sprittpreise in Deutschland?
00:03:06: Also das habe ich nicht ganz verstanden.
00:03:08: Es hat zwei Gründe.
00:03:10: Zum einen ist der Transit von Öl aber auch von flüssigem Erdgas hier sehr wichtig über die Straße von Hermos.
00:03:22: Etwa zwanzig Prozent des Ölbedarfs der Welt, sowohl Öl als auch Ölprodukte kommen über die Strasse von Hermoes und wenn sie dann plötzlich wegfallen ist das natürlich auch ein signifikanter Effekt.
00:03:39: Sie fallen natürlich nicht in Gänze weg.
00:03:41: Die Saudis haben dort eine Pipeline zum Roten Meer, die sie jetzt im Moment auch voll nutzen werden.
00:03:49: muss man natürlich hoffen dass an die Hutys am anderen Ende des roten Meeres tanker dann unter Beschuss setzen?
00:03:59: aber Das ist eine Möglichkeit, da kommt eine gewisse Entlastung.
00:04:03: Bei den Vereinigten Arabischen Emiraten hat man auch noch die Möglichkeit... Da gibt es einen Hafen von Jaira, der liegt vor der Straße von Hormuz dass man auch darüber also insofern der Fall nicht ganz die zwanzig Prozent weg.
00:04:17: aber selbst wenn nur fünfzehn Prozent wegfallen In einem globalen Markt hat das ne preisliche Konsequenz.
00:04:23: Es steigen die entsprechenden Öl.
00:04:28: Das haben wir an der Börse gesehen.
00:04:30: Der Brandpreis, der immer so bei sechzig bis siebzig Dollar vor der Krise lag.
00:04:35: Der liegt dann jetzt im Moment so tagesagtuell bei fünfneinzig oder hundert Dollar pro Bärer.
00:04:40: Also einen Aufschlag von fünfzig Prozent.
00:04:43: Das heißt es ist also zum Einen ein Preisaufschlag den wir haben und da ist es relativ egal wo das Öl dann herkommt ob dass aus Nigeria oder aus den USA kommt.
00:04:55: Also auch das WTI aus den U.S.A.
00:04:58: Ist dann in gleichem Mann.
00:05:00: Preis sicher erhöht.
00:05:01: Kommt aber noch was hinzu, denn wir tanken ja an unseren Tankstellen nicht Rohöl sondern wir tanken Diesel oder Benzin.
00:05:12: so und hier haben wir das wird ja inzwischen auch in der öffentlichen Diskussion deutlicher dass sehr viel größere Problem.
00:05:20: Denn wenn diese Straße von Hormuz noch längere Zeit geschlossen bleibt und es reichen schon ein paar Wochen dass sie geschlossen bleibt, dann werden wir in einen Mangel von Diesel und Kerosin hineinlaufen.
00:05:34: Weil das hat dann etwas damit zu tun, dass uns die Raffineriekapazitäten auch in Europa fehlen.
00:05:42: Das heißt, wir könnten zwar in Nigeria anrufen und sagen schickt uns mehr Rohöl aber dieses Rohöl muss auch dann in Raffinerieprodukte umgewandelt werden.
00:05:53: Und hier war es schon vor der Krise so, dass Europa immer und immer mehr importabhängig geworden ist.
00:06:01: Das ist der Grund dafür warum gerade diese zu teuer geworden ist weil diese müssen wir inzwischen zu dreißig Prozent importieren.
00:06:10: deswegen sieht man auch in den letzten Wochen an der Tankstelle das diese sogar teilweise teurer als Benzin geworden ist absehbare Mangel oder das Mangelszenario deutlicher zu erkennen als bei Benzin.
00:06:26: Bei Kerosin ist es dann genauso?
00:06:29: Ja, wenn wir jetzt auf die Raffineriekapazitäten schauen ... Wir sind hier im Saarland und da gab's ja mal die Saarlandsraffinerie.
00:06:35: Die ist schon ein paar Jahrzehnte geschlossen.
00:06:38: Aber wie sieht sie denn aus?
00:06:40: Wo kommt unser Benzin, unser Diesel her?
00:06:42: Und was haben wir in den letzten Jahren versäumt?
00:06:45: Was haben wir da an Kapazitäten
00:06:46: abgebaut?
00:06:47: Das waren mehrere ... Wellen gewesen, die dazu geführt haben dass Raffineriekapazitäten in Europa abgebaut werden.
00:06:57: Die erste Welle reicht schon fast zurück in der Zeit wo ich Jugendlicher war als nämlich das Diesel-Auto in Modekam als ich noch Kind war.
00:07:06: in den Siebziger, Achtziger Jahren sind viele Benziner rumgelaufen und alle unsere Raffinering waren damals sehr stark auf Benzin ausgelegt gewesen.
00:07:17: So, dann kam das Thema Diesel.
00:07:19: Diesel ist allgemein angesehen worden als weniger umweltschädlich als Benzin, weniger stark CO-Zwei belastend und dann kam eine erste Welle vor der heutigen Klimawelle mehr Diesel.
00:07:36: Und das war an sich schon ein Problem gewesen weil ein Raffinerieprozess – das ist ja nicht einfach wie in einer Fabrik wo sie sagen okay Produkt A wird jetzt im Moment weniger nachgefragt, also produzieren wir mehr Produkt B. Wenn Sie Rohöl in eine Destillieranlage hineingeben dann entstehen daraus die entsprechenden Ölprodukte in definierten Verhältnissen.
00:08:00: Die haben ihre Bandbreiten je nachdem welche Technologie man einsetzt.
00:08:05: aber man kann nicht sehr grundsätzlich hingehen und sagen ach jetzt halbieren wir mal Benzin und dafür verdoppeln wir mal Diesel.
00:08:12: das ging nicht.
00:08:14: Auf die Art und Weise hat sich dann so ein Wandel vollzogen.
00:08:18: So Anfang des Jahrhunderts begann Deutschland, oder auch generell jetzt muss man immer sagen Europa mehr und mehr zum einerseits zum Benzin-Exporteur und zum Dieselimporteur zu werden weil man aus dieser Vermehrten auch gesetzlich angereizten, gibt ja auch den Dieselnachlass in der Energiesteuer aus dieser gesetzlichen Angereizte Förderung des Diesels dazu geführt hat dass man dann halt den Benzin den man hatte exportiert hat und auf der anderen Seite diesel immer mehr importiert hat.
00:08:57: Die Entwicklung hat sich dann weiter verschärft als die Klimadiskussion sagen wir mal ab dem letzten Jahrzehnt, so ab im Jahrzehnzehnte immer mehr Fahrt aufgenommen hat und als auch klar wurde oder immer mehr diskutiert wurde das sogenannte Brennverbrennerverbot.
00:09:15: Weil das ist für Raffinerien schon ein deutliches Problem.
00:09:22: Wenn Sie eine neue Raffinerie bauen dann sind sie darauf angewiesen dass sich diese Kapitalinvestitionen rechnen und das ist häufig erst nach zwanzig, dreißig Jahren der Fall.
00:09:36: Wenn Sie jetzt wissen in dem Kontinent indem ich diese Raffinerie bauen will soll allerdings Diesel- und Benzin beide gleichermaßen ab zwei tausendfünfunddreißig nicht mehr in neue Wagen eingesetzt werden dann weiß ich genau oi!
00:09:52: Dann habe ich hier ein Problem und dann spricht erstmal nichts mehr dafür diesen Standort zu wählen.
00:10:00: Hinzu kam, dass natürlich auch Raffinerien von dem Thema Emissionshandel betroffen wurden und das auch sie Verschmutzungsrechte kaufen mussten – ein Thema, das Sie halt in anderen Staaten der Welt nicht haben!
00:10:25: Und beide Effekte haben dazu geführt, dass neue Raffineriekapazitäten Das neue Raffineriekapazitäten dann in Indien und blöderweise auch am persischen Golf entstanden sind.
00:10:42: Und bis zu dem heutigen Zustand, dass wir dreißig Prozent des Diesels importieren.
00:10:49: Eine ähnliche Situation haben wir beim Gas Flüssiggas.
00:10:53: Wir erinnern uns an Herrn Habecks Aufwartungen in Katar.
00:10:58: Katar ist der Exporteur.
00:11:01: Im Moment haben sie ein kleines Problem, weil ihre wichtigste Anlage mal außer Betrieb ist vor eine recht lange Zeit.
00:11:07: Aber vor dem Krieg war Katar ein wichtiger Expertör gewesen und wir hier in Deutschland leisten uns ja auch den Luxus dass wir sagen Wir erschließen die Erdgasvorkommen nicht mehr aus Klimaschutz oder welcher anderen Gründen nicht mehr sondern wir importieren Flüssig-Gas und steigen irgendwann komplett aus fossilen Rohstoffen aus.
00:11:35: Aus dieser Denke heraus sind wir im Flüssiggas abhängig von Katar, von den USA.
00:11:42: aber die Katarminge fehlen jetzt natürlich auch und Wir sind im Ölsektor besonders stark abhängige von Diesel Kerosin, die fehlen uns.
00:11:55: Die haben wir zu dreißig Prozent importiert und das ist mittengrund dafür warum diese Preise besonders stark angezogen sind während die Benzinpreise nicht im gleichen Maße angezogen werden.
00:12:08: Benzin haben wir noch genug aber dieser Kerosine ist ein Problem und dieses Problem ist auch eine Folge der Klimapolitik der letzten zwanzig Jahre.
00:12:17: muss man so deutlich sagen
00:12:18: Ja, gehen wir gleich darauf ein.
00:12:20: Jetzt könnte man ja sagen okay also Verbrennerverbot ist ja gar nicht so verkehrt in der aktuellen Situation weil wenn ich Elektroautos habe die brauchen jetzt kein Diesel sie brauchen keinen Benzin sondern die laufen mit Strom der kommt von der Sonne vom Wind und dann ist alles gut.
00:12:33: Ist das so?
00:12:35: Tja da sind wir jetzt an zwei verschiedenen Sektoren unterwegs nämlich zum einen im Stromsektor und zum anderen jetzt im Markt für Ölprodukte.
00:12:49: Also der eine Punkt ist, wenn ich Diesel und Benzin irgendwann tatsächlich nicht mehr brauchen sollt.
00:12:56: Und dieses irgendwann liegt in sehr nahe Zeit.
00:13:00: Dann kommen meine Raffinerinen Probleme rein!
00:13:03: Wir haben über die gekoppelte Produktprozess gesprochen dass wir hier nicht blemig ein Produkt ein- und ausschalten können.
00:13:13: es bedeutet aber auch entweder kann dann eine Raffinerie weiterhin exportieren, Benzin und auch diese wenn es nicht mehr gebraucht wird.
00:13:26: Oder wir kommen in die Situation dass es für die Raffinerie uninteressant wird weil das sind kapitalintensive Anlagen.
00:13:37: die brauchen eine Auslastung von mindestens achtzig Prozent.
00:13:41: und wenn ein Großteil der Produkte diese herstellen.
00:13:45: Und der Mineralölmarkt, der Treibstoffmarkt war halt das Wichtigste.
00:13:51: Der wichtigste Markt den die Raffinerien hier hatten, wenn der plötzlich wegfällt und ich kann plötzlich diese Menge nicht mehr herstellen Ich finde dafür nicht mehr die Abnehmer Dann habe ich als Raffinere ein gewisses Problem.
00:14:05: Es kommt immer noch was Zweites hinzu Weil wenn dann eine Raffinary hier sagt Okay Dann schließen wir diese, machen eine notwendige Monisierung.
00:14:16: Machen wir nicht mehr?
00:14:16: Sie wird bis zum Beispiel in den Jahr- und Nächsten im Jahr-und-Nacht.
00:14:21: Dann fehlen mir auch die anderen Produkte der Raffinerien, die Grundlagen sind.
00:14:27: Da denken wir über NAFTA, also den Grundstoff für die Chemische.
00:14:32: Und hier kommt es für die pharmazeutische Industrie.
00:14:36: Diese werden dann natürlich auch nicht mehr hergestellt.
00:14:38: Dann muss ich also auch diese Grundstoffe Dann beziehen aus dem Ausland sehr viel stärker, eben wieder von den Raffinerien im persischen Golf oder von den raffinerieren in Indien die dort gebaut worden sind.
00:14:54: Oder ich beziehe dann die fertigen Produkte komplett nach dem Motto Farben Lacke aber auch Medikamente.
00:15:04: Das heißt wir greifen hier in eine volkswirtschaftliche Wertschöpfungskette hinein wo Das Wegfallen von Benzin und Diesel, immer unter der Voraussetzung dass es so kommt und auch vom Markt so angenommen wird.
00:15:20: Und das wegfallen dieser wichtigen Komponenten dazu führt, dass uns dann die Grundlage für die chemischen pharmazeutische Industrie empfehlen wird.
00:15:32: Und über diese Konsequenzen, ich meine die Abhängigkeit Europas in dem Arzneimittelversorgung ist ja ein ganz anderes Thema.
00:15:42: Diese Abhängigkeit wird durch diese Richtung tendenziell verstärkt weil mit Strom kann ich vielleicht einen Elektroauto erzeugen.
00:15:54: aber Wenn ich die Frage stelle, wie ich in Zukunft Aspirin herstellen möchte.
00:15:59: Dann brauche ich Grundlagen, die auf Kohlenstoff basieren.
00:16:03: Da kann ich nicht einfach sagen ... Okay, die Raffinerie ist nicht mehr da.
00:16:07: Obbeziehen wir es aus dem persischen Golf?
00:16:10: Das wirkt dann Probleme mit sich.
00:16:13: Hier geht's auch zum Thema Resilienz-Raffinerien eine gewisse Grundversorgung der Stoffe, die wir brauchen, die lebenswichtig sind.
00:16:24: Die werden gerade bereitgestellt durch Raffinerien und diese Diskussion ist in den letzten zwanzig Jahren in Deutschland überhaupt nicht geführt worden.
00:16:35: und ich vermisse auch, dass sie im Moment geführt wird.
00:16:39: Die Thematik geht eher in die andere Richtung, ein gewisser Teil des politischen Spektrums versucht die Diskussion dahin zu ziehen.
00:16:47: wir müssen jetzt mehr erneuerbare Stromerzeugung machen hier.
00:16:51: das Lützt uns in diesem Thema nichts.
00:16:53: Wir müssen erstmal verstehen, dass durch die sogenannte Klimapolitik erst die Abhängigkeit vom persischen Golf so viel
00:17:01: stärker geworden ist.
00:17:03: Ja, also ganz ganz schwierig.
00:17:04: und solche Spritpreise das führt ja im Autofahrerland Deutschland auch zwangsläufig zur politischen Diskussion.
00:17:11: Und die Frau Brandner von den Grünen hat jetzt gesagt okay es gibt da Mineralunkonzernet die sich der massiv bereichern durch Übergewinne und wir müssen über Gewinnsteuer oder andere Instrumente einführen um diese Übergewinne wo die Autofahrerinnen und Autofacher abgezockt werden nochmal einkassiert werden, hat sie da recht oder hat sich vielleicht ein Fehler in ihrer Berechnung drin?
00:17:33: Also Sie beziehen sich da auf einen Post den Frau Brandner da auf X dort entsprechend veröffentlicht hat und über den man dann so als Experte nur mit dem Kopf schütteln kann.
00:17:48: Weil der grundsätzliche Fehler ist in solchen Fällen immer wieder das Man glaubt Man nimmt sich so die Rohölnotierungen, rechnet noch die Energiesteuer und noch die Mehrwertsteuer obendrauf.
00:18:03: Und der Rest ist dann der Rohgewinn den man mineralöl konzern machten.
00:18:10: in diesem Post hatte sie da gelegt ach Diese Differenz, diese Rohgewinn ist ja erheblich gestiegen.
00:18:18: In dieser Grafik stand dann etwas drin.
00:18:20: Da sah man da zu Säulen von Achtzig Cent pro Liter wo jeder Branchenkinder nur mit dem Kopf schütteln kann.
00:18:29: Wie kommt sie denn nur darauf?
00:18:31: Es sind da mehrere Fehler drinnen.
00:18:33: Zum einen ist der Rohölpreis mit dem Dieselpreis nicht zu vergleichen Aus dem Grund den ich eben genannt habe.
00:18:41: Rohöl können Sie Noch aus anderen Standorten der Welt beziehen, bei Diesel ist das schon relativ schwieriger.
00:18:50: Es kommt noch was mit hin zu die Rohölnotierung, die man so üblicherweise im Ticker von NTV sieht.
00:18:56: Das sind keine täglichen Marktpreise, keine sogenannten Spotpreise Sondern das sind Futurepreise Die sich auf den nächsten Monat beziehen.
00:19:07: Das heißt, die spiegeln die Erwartungen des Marktes weiter wie viel Öl im nächsten Monatkosten.
00:19:13: Wenn ich die Spotpreise betrachte dann hat man hier erhebliche Schwankungen und das ist gerade das Thema weshalb die Preiser in den Tankstellen so stark gestiegen sind weil nämlich auch die Spot-Preise für diese so starke Stiegen sind.
00:19:29: da gibt es eine Referenz Für uns in Deutschland, das ist der sogenannte Aramark.
00:19:36: Das steht für Antwerpen Rotterdam und Amsterdam.
00:19:40: Dort wird ein Spotpreis festgelegt aus Angebote und Nachfrage Und der ist gerade für Diesel durch den Konflikt am persischen Gold ganz erheblich gestiegen.
00:19:52: Also da hat man sehr starke Preiseaufschläge gesehen die man in dem Maße für Point Rohöl nicht gesehen hat.
00:20:01: Da reden wir also durchaus über Unterschiede von zwanzig, dreißig Cent pro Liter die das ausmachen und dann werden wenn ich das nicht berücksichtige werden solche Rechnungen obsolet.
00:20:15: Macht auch eigentlich niemand.
00:20:17: aber in der politischen ja polemischen Diskurs werden da manchmal seltsame Argumentationen angeführt.
00:20:24: Der zweite Punkt über den ich mich immer wundere ist Der Mineral-Ölpreis ist ja auch politisch verteuert worden.
00:20:33: Wir kennen die Energiesteuer, die gibt es natürlich schon länger aber wir haben das Thema der CO² Steuer, die zukünftig in den Emissionszertifikatehandel ETS II überführt wird vor dieser Einführung des ETS-II in Deutschland über das Brennstoffemissionshandelsgesetz dort geregelt wird, der bedeutet die Mineralölkonzerne liefern oder bezahlen einen bestimmten Betrag pro Liter.
00:21:11: In dem Moment wo der Kraftstoff in Verkehr gebracht wird.
00:21:16: Das heißt de facto bezahlt ist nicht der Verbraucher aber Oder die Jure bezahlt es nicht der Verbraucher, aber der Faktor bezahlt erst natürlich an der Tankstelle drauf.
00:21:28: Und dieser CO²-Preis macht etwa so fünfzehn bis siebzehnt Cent pro Liter aus und dieser ist auch in diesem Jahr wieder gestiegen.
00:21:36: also bis Ende zwei tausendfünfundzwanzig betrug er fünfundfünfzig Euro und jetzt wird er in einer Handelsspanne von fünfeinzig bis fünfensechzig Euro gehandelt.
00:21:47: das heißt wir haben hier auch eine Steigerung wieder gehabt von bis zu zwanzig Prozent.
00:21:53: Der zweite Punkt, in der es noch weniger bekannt ist das sogenannte Dreipaus-Gasquoten die die Mineralölkonzerne erfüllen müssen.
00:22:01: Das heißt man merkt dass dann wenn man zur Tankstelle fährt sieht man dem E-Fünf und auch E-zehn und Mineralökonzerne müssen eine jährlich steigende Menge an Dreipausgasen einsparen.
00:22:17: Das tun Sie indem sie entweder Biogasprittanteile, dem Kraftstoff beifügen oder indem sie Zertifikate kaufen.
00:22:29: Das ist ein ähnliches Prinzip wie wir es in unserem letzten Podcast zum Heizgesetz haben.
00:22:35: das heißt Sie kaufen dann von einem Gülleproduzenten oder einen Bioabfall Produzenten kaufen sie dann das Zertifikat über diese Menge auf und lassen sich dieses dann als Mineralkonzern dann entsprechend anrechnen.
00:22:52: Also die beiden Mengen entweder physisch beimischen, oder bilanziell über Zertifikate abbilden.
00:23:01: Um es grob zu rechnen, das hängt natürlich sehr stark von der Marktlage ab auch vielleicht auch vom Markt geschicktes Mineralölkonsens, weil es bestimmt ja direkt seine Marge.
00:23:14: Aber auch das macht ungefähr zwölf bis im Extremfall zwanzig Cent pro Liter aus.
00:23:19: Das heißt wir haben hier fünfunddreißig Cent Pro Liter oder bis zu fünf und dreißig cent die ausschließlich aus diesen beiden Komponenten kommen Und die werden in der politischen Diskussion viel zu wenig berücksichtigt.
00:23:38: in der besagten Grafik kann ich diese letzten Endes nur im Rohgewinn der Mineralölkonzerne finden und das ist natürlich Unsinn.
00:23:46: Wenn ich also beide Dinge betrachte, wenn nicht bei NTV auf den Tickerschauer wie wird im Moment Brennölpreis gepreist sondern wenn ich wirklich auf die Dieselpreise im Spotmarkt schaue und alle steuerlichen Abgaben- und Klimabgaben mit einbeziehe dann liegt diese Marge irgendwo zwischen zwölf und fünfundzwanzig Cent pro Liter.
00:24:14: Das ist das, was die gesamte Kette an Rohgewinn hat.
00:24:17: Und Rohgewinne heißt davon geht die ganze Logistik, Lagerhaltung, Transport zur Tagesstelle, Personalpacht und was auch immer müssen von diesen zwölft bis fünfundzwanziger Cent dann bezahlt werden.
00:24:31: so und dass es etwas was hier in dieser Diskussion viel zu wenig berücksichtigt wird und es gibt bislang keinen Hinweis darauf, dass diese Marge in irgendeiner Form durch diese Stresssituation am Golf dort angestiegen ist.
00:24:51: Wenn dann muss man dies sehr genau betrachten.
00:24:56: das ist ein Aufgabe vom Bundeskartellamt da müssen sie sich das sehr genau anschauen.
00:25:01: Generell gilt natürlich, wenn der Input-Preis sehr viel stärker volatil wird und die Situation haben wir jetzt.
00:25:08: Ja momentisch diese Knappheitssituation habe ich halt entsprechende Schwankungen.
00:25:13: Schwankung habe ich dann auch in allen Bereichen der Marge.
00:25:16: aber die Diskussion über die Übergewinne, die wird jedoch sehr populistisch geführt und sie soll etwas – das ist eine politische Wertung von mir – vielleicht auch etwas drüber hinwegtäuschen eigentlichen Gründe für hohe Spritpreise hier auch politisch induziert sind.
00:25:38: Zum einen durch CO-Steuer an Treibhausgasquoten und zum anderen durch das Sterben der Raffinerien, welches politische Hintergründe hat.
00:25:48: Das heißt jetzt nicht notwendigerweise dass ich sage, dass dies nicht so sein darf aber Es wäre schon schön, wenn hier in der politischen Diskussion eine gewisse Ehrlichkeit herrschen würde.
00:26:03: Nämlich die Ehrlichheit?
00:26:05: Jawoll!
00:26:06: Es gibt Faktoren, die nun genau zu diesen hohen Preisen führen.
00:26:10: Die Ehrlichkeit gebietet zu sagen das wollten wir auch so beziehungsweise die Maßnahmen, die wir getroffen haben, die haben dazu geführt und dass sich dies dann in solchen Stresssituationen des Marktes dann so abspielt Und abbildet ist dann eine ganz logische Folge.
00:26:28: Die kann eigentlich niemanden überraschen, wer dann hingeht und dann populistisch ... Das ist meine Wertung.
00:26:36: Dann also populistischer den Zeigefinger hebt.
00:26:40: es sind die Anbieter und solche Populismus erleben wir auch nicht nur von den Grünen das muss man auch ganz klar sagen der bewegt sich zumindest mal außerhalb der Tatsachen.
00:26:53: Ja
00:26:54: Ja, jetzt ist das natürlich eine schlimme Situation für uns als Volkswirtschaft auch für ganz viele andere Länder dieser Konflikt.
00:27:02: Wir haben es gar nicht politisch bewertet aber wir können ja auch Lehren für unser Land herausziehen.
00:27:08: also welche Lehren würden Sie denn für Deutschland ziehen aus diesem aktuellen konflikt am persischen Golf?
00:27:13: Die Lehre wäre ganz klar nämlich die der Konflik zeigt uns wir haben uns verstärkt in Abhängigkeit von außen gebracht.
00:27:24: Das war politisch so gewollt, das sehen wir ja im Strommarkt.
00:27:27: Dass wir immer mehr von Importen abhängig geworden sind, das birgt einfach Risiken und Risiken manifestieren sich genau dann wenn es zu globalen Krisen kommt.
00:27:39: Das gilt sowohl für den Strommarkt als auch für den Ölmarkt als auch für den Gasmarkt an allen.
00:27:47: Wir haben schon Podcast gemacht, wo wir auch über das Thema, dass jetzt in den Hintergrund geraten ist nämlich die Gasversorgung.
00:27:56: Damals war im Februar das Thema in Mode gewesen, dass die Gasspeicher leerlaufen und man konnte sich jetzt die Frage stellen Wenn es jetzt im Februar März sehr kalt geblieben wäre, hätten wir dann eine Mangellage gebracht.
00:28:14: Unsere Prognose war gewesen Es kommt keine Mangelage.
00:28:17: aber wir haben ein preisliches Problem und dieses preisliche Problem realisiert sich hier Aber nicht wegen kalten Wetter sondern wegen einer globalen Krisenlage Die zumindest mal die Bundesregierung nicht so einfach beeinflussen kann.
00:28:32: das heißt Wir haben jetzt das problem dass wir auch im Sommer mit dem üblichen Marktmechanismus ihre unsere Gasspeicher nicht gefüllt bekommen.
00:28:42: Das heißt, dort wird dann der Staat entsprechend für eine Befüllung der Gasspeichersorgen müssen und das wird dann halt Geld kosten.
00:28:51: Das wird dann so sein.
00:28:53: Im Ölmarkt werden wir eine ähnliche Diskussion führen müssen aus den Gründen die ich eben genannt habe nämlich Wir brauchen auch wieder genügend Raffineriekapazität in ganz Europa.
00:29:07: Es ist kein rein deutsches Problem und das ist eigentlich dieses Thema der Resilienz, dass man hier vernachlässigt hat.
00:29:18: Dass man strahlsträflich vernachlassigt hat Und es ist ja interessant zu beobachten, dass die USA das Thema in dem Maße nicht hat weil Präsident Trump ist vielleicht ein sehr Hat das Beispiel für jemanden, dem zum Beispiel eine Klimadiskussion nicht weiter interessiert.
00:29:39: Aber es gab auch unter demokratischen Präsidenten einen gewissen Grundkonsens dass Öl und Gasförderung eine gewisse Unabhängigkeit auch von Arabien durch eigenes Schiefergas, durch eigene Öl-Gasförderungen in den USA ein hohen Stellenwert hat Und das zahlt sich im Moment für die USA aus.
00:30:04: In Europa hat man es anders gemacht, in Großbritannien hat man ... Die Erdölförderung in der Nordsee im Zuge der Klimadiskussion immer kritischer betrachtet.
00:30:16: Hier in Deutschland hätten wir eigentlich nach dem Ukraine-Überfall längst beginnen müssen eigene Vorkommen zu erschließen sind ja dann auch nicht gerade in einer Woche am Markt.
00:30:31: Sondern wenn man hier begonnen hätte, in Niedersachsen die entsprechenden Vorkommen zu erschließen und da kommt das böse Wort Fracking ins Spiel, welches allerdings aus Umweltgesichtspunkten gerade hier in Deutschland mit entsprechender moderner Technologie eigentlich unbedenklich ist Dann hätten wir eine stärkere Resilienz Und zwar jetzt europäisch gedacht durch Nordseeförderung, durch mehr Gasförderungen in Deutschland und auf der anderen Seite durch mehr Raffineriekapazität.
00:31:11: Diese Diskussion muss man anstoßen weil die steht diametral der Klimadiskussion entgegen.
00:31:18: aber das Thema des Konflikts am Persischen Golf Das zeigt uns ganz deutlich, dass es hier für keinen Substitut gibt.
00:31:28: Ich kann den Straßenverkehr teilweise durch Elektroautos ersetzen – das geht!
00:31:35: Im Idealfall macht das der Markt nicht der Gesetzgeber.
00:31:39: Aber ich muss auch an alle anderen Produkte... volkswirtschaftlichen Wertschöpfungskette denken und die nehmen auch letzten Endes in Gas- und Erdöl ihren Ursprung.
00:31:52: Die Krise kann auf dieser Art und Weise auch etwas sein, was uns zum Nachdenken anregt ob wir dort in den letzten zwanzig Jahren wirklich auf dem richtigen Dampfer unterwegs waren.
00:32:05: Ich finde allerdings diesen Gedanken im Moment in der politischen Diskussion ein wenig unterrepräsentiert.
00:32:11: Ja, wir werden es weiter beobachten.
00:32:13: Vielen Dank für das Gespräch und es gibt sicherlich nur Fortsetzung
00:32:16: Mit Sicherheit bei dem Thema garantiert Politik auf den Punkt gebracht.
00:32:24: Ein Podcast der Unionstiftung.
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